Grenzüberschreitende Berufsausbildung beiderseits des Rheins weiter vertiefen.

Bundestagsabgeordneter Peter Weiß im Gespräch mit der Industrie und Handelskammer Südlicher Oberrhein und der Handwerkskammer Freiburg.

Das deutsche und französische Ausbildungssystem unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht. „Symbolhaft hierfür ist die Wahrnehmung der dualen Ausbildung“, berichtete der Leiter für Aus- und Weiterbildung der IHK Südlicher Oberrhein, Simon Kaiser. Die duale Ausbildung hat in Frankreich nicht denselben Stellenwert wie in Deutschland. So ist die Quote derjenigen mit Abitur bei ca. 80% und deutlich höher als in Deutschland. Auch die Vergleichbarkeit der Abschlüsse wird von Betrieben unterschiedlich wahrgenommen.

Derzeit befinden sich im Kammerbezirk der IHK-Südlicher Oberrhein 53 französische jugendliche in einer beruflichen Ausbildung. Neun von ihnen absolvieren ihre Ausbildung nach der im Jahr 2013 vereinbarten Rahmenvereinbarung von St. Louis, nachdem der theoretische Teil im Heimatland absolviert werden kann und der praktische Teil direkt in den Betrieben des Nachbarlandes vollzogen wird. Die restlichen 44 französischen Azubis absolvieren den kompletten Teil der Ausbildung in Deutschland. Bei der Handwerkskammer in Freiburg sind es derzeit 14 französische Auszubildende die das Modell der Rahmenvereinbarung absolvieren, während 15 ihre komplette Ausbildung in Deutschland antreten. Wiederum neun Auszubildende sind im MobiPro EU Projekt mit dabei. „Ziel sei es, dass die Azubis die komplette 3,5 jährige Ausbildung absolvieren. Das wollen auch die Betriebe“, so Wolfram-Seitz-Schüle von der Handwerkskammer Freiburg. Leider ist es in manchen Bereichen so, dass Azubis nach dem zweiten Lehrjahr und dem Erwerb des französischen Diploms aufhören. Da die letzten 1,5 Jahre zum Erwerb des Gesellenbriefs in Deutschland absolviert werden müssen, sind unzureichende Sprachkenntnisse der Hauptgrund für die Entscheidung nach dem französischem Diplom nicht mehr weiterzumachen.

Die grenzüberschreitende Berufsausbildung ist gerade in der Oberrheinregion eine Herzensangelegenheit und auch ein Bekenntnis zur deutsch-französischen Zusammenarbeit. Die Rahmenbedingungen für ein Gelingen müssen weiter vorangebracht werden. So treten beispielsweise Ausbildungsbotschafter in französischen Schulklassen auf und werben für eine betriebliche duale Ausbildung. Die Botschafter werden durch eine Landesinitiative vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg gefördert, die beim Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag angesiedelt ist. Weitere Partner sind unter anderem der Baden-Württembergische Handwerkstag, die Landesvereinigung Baden-Württembergischer Arbeitgeberverbände e. V. und der Deutsche Gewerkschaftsbund Baden-Württemberg. Darüber hinaus werden die Industrie und Handelskammer sowie die Handwerkskammer Freiburg auf der Messe in Colmar für die grenzüberschreitende Berufsausbildung. Als treibende Kraft für die grenzüberschreitende  Ausbildung wird Eures-T Oberrhein angesehen, die mit Christof Hilligardt und Frédéric Leroy Fachexperten für den Bereich der grenzüberschreitenden Ausbildung am Oberrhein haben und deren Sitz in Lahr ist.

Auf die Frage wie man die Rahmenbedingungen weiter verbessern könne wurden verschiedene Vorschläge unterbreitet. So könnte man beispielsweise mit der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg sprechen, dass der Stand auf der Messe in Colmar nicht jedes Jahr neu genehmigt werden muss. Des Weiteren müsse man die Arbeitsbedingungen verbessern, weg von befristeten und hin zu unbefristeten Verträgen, beispielsweise für die Fachexperten von Eures-T Oberrhein. „Um die Oberrheinregion gut abzudecken wäre eine zusätzliche Stelle bei Eures-T Oberrhein wünschenswert“, so die zuständigen Verantwortlichen. Des Weiteren wäre eine Verlängerung der Initiative Ausbildungsbotschafter durch das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württembergs notwendig. „Es ist auch ein Anliegen der Politik, dass wir die grenzüberschreitende deutsch-französische Berufsausbildung weiter fördern“, so der Bundestagsabgeordnete Peter Weiß. „Hierzu werde ich Gespräche mit Ministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut führen und mich für eine Verlängerung und Fortsetzung der Initiative „Ausbildungsbotschafter“ einsetzen“, erklärte der Abgeordnete weiter.

Des Weiteren werde der Abgeordnete Gespräche mit Raimund Becker, Mitglied im Vorstand der Agentur für Arbeit und zuständig für die Regionen der Bundesagentur für Arbeit sprechen, um über „eine Entfristung der in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit beschäftigen Leute zu sprechen.“ Um die Sprachkompetenz an französischen Schulen zu verbessern ist eine verstärkte Zusammenarbeit mit Eltern Alsace, die gezielt den zweisprachigen Unterricht im Elsass fördern und entwickeln, erforderlich. „Hierzu würde ein Treffen mit dem Vorsitzenden Claude Froehlicher und den Akteuren aus Politik, IHK, HWK und der Bundesagentur für Arbeit ein deutliches Signal nach außen vermitteln“, so die Verantwortlichen weiter.