Kartoffeln aus Forchheim sollen Zukunft haben

CDU-Politiker forcieren mehr Flexibilität in der Düngeverordnung

Kamen zu einer Konferenz über den Kartoffel-Anbau in Forchheim zusammen (v.l.n.r.): Landtagsabgeordneter Patrick Rapp, Bundestagsabgeordneter Peter Weiß, Bürgermeister Johann Gerber, BLHV-Ortsvorsitzender Edmund Weis und Landwirt Otmar Binder.

Mit einem Brief wandte sich Edmund Weis, Landwirt und BLHV- Ortsvorsitzender in Forchheim, im Februar dieses Jahres an den Landwirtschaftsminister Peter Hauk. Er schilderte, dass die künftige Düngeverordnung für die Qualität und Ertragssicherheit der Kartoffeln und somit auch für die Existenzen vieler Forchheimer Familien ein großes Problem sei. Um diese Herausforderung zusätzlich politisch zu platzieren, kamen Landtagsabgeordneter Patrick Rapp, Vorsitzender des Arbeitskreises Ländlicher Raum der CDU-Landtagsfraktion, sowie Bundestagsabgeordneter Peter Weiß zu einem Gespräch in die Gemeinde am Kaiserstuhl. Nebst Edmund Weis waren auch sein Kollege Otmar Binder vom Lindenbrunnenhof sowie Bürgermeister Johann Gerber anwesend.

„Die Direktvermarktung von Kartoffeln im Umkreis von 100 Kilometern ist eines der erfolgreichsten Beispiele für Regionalität. Die Forchheimer Bauern bewirtschaften 140 Hektar Kartoffeln, davon sind rund 25 Hektar Frühkartoffeln“, erläuterte Edmund Weis. „Leider mussten wir erfahren, dass die geplante Düngeverordnung für Frühkartoffeln keine Ausnahme vorsieht von der Verpflichtung zur Herbstansaat von Zwischenfrüchten, die nicht vor dem 15. Januar eingearbeitet werden dürfen.“ Eine Ausnahme sei für die Betriebe jedoch überlebenswichtig. Der Boden müsse Anfang oder Mitte Februar bereit sein für die Pflanzung. Ein Pflugtermin am 15. Januar bedeute für den Frühkartoffelanbau jedoch ein Lotteriespiel, auf das man sich nicht einlassen könne: Unabwendbare Witterungs- und Hygienerisiken könnten die Bodenbearbeitung deutlich verzögern.

Patrick Rapp erläuterte zunächst, dass die EU-Nitratrichtlinie seit 1996 durch die erste Düngeverordnung in nationales Recht umgewandelt sei. Anschließend habe Deutschland über viele Jahre hinweg die EU- Vorgaben – im Gegensatz zu allen anderen EU-Ländern – nicht erfüllt. Als Folge laufe nun ein Sanktionsverfahren gegen die Bundesrepublik. „Im Zuge der Reform soll ein europaweit einheitliches Messstellennetz entstehen. Es wird davon ausgegangen, dass sich die besonders betroffenen Gebiete („Rote Gebiete“) ungefähr von 9% auf 6% der Gesamtfläche reduzieren werden“, zeigte sich Patrick Rapp optimistisch. „Außerdem wird ein so genanntes Verursacherprinzip eingeführt: Die Nitratbelastung von Klärwerken, Versiegelung, Flugverkehr etc. muss berücksichtigt werden.“

Landwirt Otmar Binder schlug vor, Kleinbetriebe von der Verordnung zu befreien. Patrick Rapp entgegnete, dass dieser Vorschlag bereits in anderen Bundesländern verfolgt werde. Auch diese Idee nehme er mit nach Stuttgart und werde sie mit dem Minister und seinen Abteilungsleitern diskutieren.

„Landwirtschaftsminister Peter Hauk hat bei der BLHV-Versammlung 2020 in Endingen bereits signalisiert, mehr Flexibilität bei der Umsetzung der Verordnung erreichen zu wollen. Zusammen mit meinem Kollegen Patrick Rapp in Stuttgart setze ich mich in Berlin für die berechtigten Interessen der Landwirte ein“, bekräftigte Peter Weiß. Die beiden Abgeordnete wollen erreichen, dass mit einer regionalen Ausnahmeregelung die Anpflanzung von Frühkartoffeln in Forchheim und Umgebung möglich ist. Sobald die entsprechenden Gespräche in den Ministerien dazu geführt sind, wollen sie sich erneut mit den Forchheimer Landwirten treffen, dann hoffentlich in einem großen Rahmen. Aufgrund der Beschränkungen in der Corona-Krise fand das Gespräch nur in kleinstem Rahmen statt. Jeder der fünf Teilnehmer saß an einem eigenen Tisch, die im neuen Gemeindehaus neben der Kirche in weiten Abständen aufgestellt waren.