PM: Corona-Pandemie: Zeit für Weiterbildung von Beschäftigten nutzen

Bundestagsabgeordneter Peter Weiß im Gespräch mit Horst Sahrbacher, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenburg

Der Arbeitsmarkt in der Ortenau und die Auswirkungen durch die Corona-Krise – Wo ist der größte Handlungsbedarf?

Bundestagsabgeordneter Peter Weiß zum Gespräch bei Horst Sahrbacher, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenburg.

Um sich über die aktuelle Situation des Arbeits- und Ausbildungsmarkt Ortenau auszutauschen, kamen Bundestagsabgeordneter Peter Weiß und Horst Sahrbacher, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenburg, zusammen. Schnell wurde deutlich, dass sich die Corona-Pandemie im April schlagartig bemerkbar machte: Während im März dieses Jahres der Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur Offenburg 705 neue Arbeitsstellen akquirieren konnte (im Vorjahr 861), waren es im April nur noch 308 (im Vorjahr 795). „Zugegebenermaßen waren die Zahlen seit dem 4. Quartal 2019 leicht unter den Vorjahreszahlen“, so Sahrbacher. „Der Einbruch lässt sich aber eindeutig auf Corona zurückführen.“ Im bundesweiten Vergleich ist die Arbeitslosenquote von 3,8 % im Juni dieses Jahr weiterhin gut.

Was in der Öffentlichkeit wenig ankäme: Stark seien Jugendliche durch die Corona-Folgen auf den Arbeitsmarkt betroffen. „Aufgrund befristeter Verträge und geringerer Einstellungen sind insbesondere Jugendliche von der Krise betroffen“, so Sahrbacher. „Unser Hauptaugenmerk liegt darauf, diesen jungen Menschen intensiv zu helfen.“ Auch die angebotene Ausbildungsprämie wurde beleuchtet. Die Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen, die dazu führt, dass in dieser schwierigen Situation Ausbildungsplätze erhalten oder zusätzliche geschaffen werden, trägt dazu bei, den Fachkräftebedarf der Wirtschaft langfristig zu sichern, bewertet Sahrbacher die Ausbildungsprämie positiv. Nur ein Bruchteil der Unternehmen würde ihre Ausbildungspolitik ändern. Wichtiger wäre auch, erneut die Übernahme von fertig ausgebildeten jungen Leuten zu fördern. Den Unternehmen in der Ortenau ist bewusst: Corona ist für viele Betriebe aktuell eine riesige Herausforderung. Wir sollten aber nicht aus den Augen verlieren, dass die Ausbildung und Weiterbildung von Mitarbeitern angesichts der demografischen Entwicklung, den Folgen der Digitalisierung und der laufenden Transformationsprozesse für die Betriebe existenziell ist, damit der Fachkräftebedarf in der Region auch weiter gedeckt werden kann. Aus- und Weiterbildung von Beschäftigten ist deshalb das Gebot der Stunde, fasste Sahrbacher die Situation zusammen. „Ohne qualifizierte Arbeitskräfte hätten viele Mittelständler langfristig keine Perspektive.“

„Die Agentur für Arbeit Offenburg hat unter der Führung von Horst Sahrbacher während des Krisenhöhenpunktes ein Mal mehr gezeigt, wie schnell und flexibel die Arbeitsverwaltungen agieren können“, zollte Weiß Respekt. „Es ist absolut verständlich, dass die Agenturen für Arbeit in diesen Zeiten mehr Personal brauchen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass viele Berufsberater ab September intensiv Schulen besuchen müssen, da zuletzt nahezu alle Beratungsgespräche ausfielen.“ Schließlich unterstrich Weiß die Bedeutung des Gesprächs: „Während der Parlamentarischen Sommerpause wird insbesondere arbeitsmarktpolitisch viel gearbeitet. Die Einschätzungen von Horst Sahrbacher helfen mir bei Entscheidungsprozessen weiter, zum Beispiel bei der Frage nach einer weiteren Verlängerung des Kurzarbeitergeldes.“