PM: Herausforderungen für den Wald in Zusammenhang mit dem Klimawandel

Bundestagsabgeordneter Peter Weiß zur Waldbegehung im Ettenheimer Wald

Bundestagsabgeordneter Peter Weiß erläutert im Rahmen einer Waldbegehung die verschiedenen zum Schutz des Waldes erforderlichen forstpolitischen Maßnahmen.

ETTENHEIM. Wie sieht der Wald der Zukunft aus? Diese spannende Frage beschäftigte die „geballte Forstkompetenz“, die sich jüngst im Ettenheimer Brudergarten bei der Waldbegehung des Bundestagsabgeordneten Peter Weiß versammelte.

Zur Einstimmung fasste Ulrich Schraml, Leiter der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg, die prekäre Lage zusammen. Für den Experten steht fest, dass die Klimakurve weiter nach oben geht und sämtlichen Wäldern die Trockenheit immer mehr zu schaffen machen wird. Bis zur nächsten Jahrhundertwende, prognostizieren Wissenschaftler, herrschen in ganz Baden-Württemberg, auch in den Höhenlagen, Weinbau-Klimate wie bislang nur am Kaiserstuhl.

Hauptleidtragende sind schon jetzt besonders Nadelbäume. Der Fichtenbestand werde, wo er bislang als führende Baumart noch mit mehr als 50 Prozent vertreten ist, schon in näherer Zukunft auf unter drei Prozent schrumpfen. Tannen werden ihre bisherige Dominanz von rund 70 Prozent auf unter 20 reduziert sehen. Und Buchen würden sich an Stellen, wo sie noch mit 90 Prozent den Hauptbestand ausmachen, auf die Hälfte zurückgehen. Die Zukunft verspricht angesichts des Klimawandels nichts Gutes. Das Problem: Gerade Nadelbäume seien betriebswirtschaftlich gesehen als Rückgrat der waldwirtschaftlichen Kostenrechnungen besonders produktiv, darüber hinaus effektive Kohlenstoffdioxidspeicher.

Was soll oder kann künftig noch und wie wachsen? Hans Georg Pfüller, Leiter des Offenburger Amts für Waldwirtschaft, stimmte Schraml zu: „Es muss eine neue Strategie her. Und die lautet: Künftig keine Monokulturen mehr anlegen, sondern Mischwälder mit fünf oder mehr möglichst heimischen Nadel- und Laubbaumarten, darunter auch vermehrt die Eiche.“ Ein solcher Waldumbau in Form von Verjüngung dauere allerdings viele Jahrzehnte, eine lange Prozedur. Es werde schwer, die dramatische Verschlechterung bisheriger Bestände auffangen.

Revierleiter Lothar Bellert demonstrierte an verschiedenen Stellen, wo im Ettenheimer Wald Bäume sterben. Dort werde – wie überdies im gesamten, mehrere Gemeinden umfassenden Gebiet schon längst an Umstrukturierungen gearbeitet. Etwa mit kleinen, eingestreuten Parzellen von Esskastanien oder Traubeneichen. Mediterrane Pinien und Zypressen würden in 50 Jahren noch nicht die süddeutsche Waldlandschaft prägen – möglicherweise aber robustere Baumarten, etwa aus dem osteuropäischen Raum.

Kurt Weber, Chef der Waldservice Ortenau eG, zu deren Genossenschaftsmitgliedern Gemeinden wie private Waldbesitzer zählen und zuständig ist für die Holzernte und -vermarktung, beleuchtete die prekäre Finanzsituation: Holzerlöse sinken, Kosten steigen. Ein langfristig angelegter, nötiger Wald-Umbau träfe die privaten Bewirtschafter als „ganz große Verlierer auf dem Markt“ besonders empfindlich. An europäische Hilfsgelder zu kommen, sei bislang schwierig. Doch allein stünden die Privaten nicht da, betonte Amtsleiter Pfüller: Vom Landratsamt erhielten sie kostenlose Beratung und Begleitung.

Bundestagsabgeordneter Peter Weiß bekannte sich abschließend nicht nur zur Notwendigkeit, den Wald neben Umweltaspekten auch als Freizeitraum für Bürger zu erhalten. Man müsse auch dafür sorgen, dessen Erhalt zu finanzieren. „Die bürokratischen Hürden stehen einer zukunftsorientierten Waldwirtschaft zur Zeit im Wege. Das muss sich, wie wir erfahren haben, ändern. Daher setze ich mich nachdrücklich dafür ein, künftig widerstandsfähigere Baumarten, etwa aus der Ukraine, für Anpflanzungen zu legalisieren. Bislang sind die noch verboten, obwohl sie dem heimischen Klima besser gewachsen sind.“