PM: Heute schon an den Wald von morgen denken

CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Weiß und Matern von Marschall zur Waldbegehung im Liliental

Bei einer Waldbegehung im forstlichen Versuchsgelände Liliental informierten sich die beiden CDU-Bundestagsabgeordneten Matern von Marschall (1.v.l.) und Peter Weiß (3.v.l.) bei Forstexperten über die Anpassung der Wälder in Baden-Württemberg an die veränderten klimatischen Bedingungen. Jörg Kleinschmitt (1.v.r.) erklärt den Abgeordneten wie die Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) mittels genetischer Marker die Nachkommenschaft von Baumarten nachverfolgt.

 

„Wir dürfen die Situation nicht beschönigen, aber es gibt auch keinen Anlass zum Alarmismus“, dieses Fazit zogen die beiden CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Weiß und Matern von Marschall am Ende ihrer zweistündigen Waldbegehung durch das forstliche Versuchsgelände Liliental in Ihringen am Kaiserstuhl. Im Fokus des Rundgangs standen die Anpassung der Wälder in Baden-Württemberg an die veränderten klimatischen Bedingungen sowie die wissenschaftliche Arbeit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA). Begleitet wurden die Abgeordneten von zahlreichen Forstexperten, darunter der neue FVA-Direktor Ulrich Schraml, der als Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung bereits beim Thema nachhaltige Landnutzung die Bundesregierung beraten hat.

Vor Start der Waldbegehung hob Ulrich Schraml deutlich vor, welcher Herausforderung der Wald steht: „Wir gehen in eine Zukunft hinein, von der wir wissen, dass es für zahlreiche Baumarten schwierig wird.“ Als Beispiel nannte der FVA-Direktor neben dem Klimawandel auch eingeschleppte Krankheiten, die zunächst die Ulme betroffen haben und nun den Eschen massiv zusetzten. Aus seiner Sicht dürfe es deshalb bei der Suche nach Alternativarten zu den heute dominierenden Baumarten auch keine grundsätzlichen Denkverbote für die Wissenschaft geben. Max Reger, Vorstandsvorsitzender von Forst Baden-Württemberg (ForstBW) fügte an, dass bei der Suche nach Antworten auf den Klimawandel die Bedeutung des Lilientals als forstliches Versuchsgelände nochmals gestiegen sei.

Bei den ersten beiden Haltepunkten erklärten die beiden Forstexperten Manuel Karopka und Jörg Kleinschmit, wie mittel genetischer Marker die Nachkommenschaft einzelner Bäume nachverfolgt werden kann und berichteten über die Bedeutung bislang seltener Baumarten, wie etwa der Vogelkirsche, deren Saatgut an Waldbesitzer verkauft wird. Anschließend ging es weiter zu den Problemstellen im Wald. „2018 war die Initialzündung, 2019 hat sich die Situation nochmals verschärft“, erklärte Revierförster Heinrich Kobras. Nicht nur im Liliental, sondern überall sind die Buchenbestände stark geschädigt. Maßgeblich dafür verantwortlich: Der Klimawandel. Selbst die als „sichere Bank“ geltenden Rotbuchen würden vielfach nicht überleben. Auch das Fällen der Bäume sei gefährlich, da abgestorbene Ästen in den Kronen leicht herabfallen können.

Zum Abschluss zeigte Professor Ulrich Kohnle anhand von verschiedenen Szenarien wie sich der Wald bis zum Ende des Jahrhunderts voraussichtlich entwickeln werde. Das realistische Szenario sieht eine weitere Erhöhung der globalen Temperatur vor und ist vergleichbar mit den klimatischen Bedingungen von 2018. Für den Wald in Baden-Württemberg bedeute das laut Kohnle: „Für 53 Prozent der Landesfläche ist keine der heute weit verbreiteten Baumarten Fichte, Tanne, Buche und Traubeneiche als führende Baumart geeignet.“ Dies bedeute nicht, dass diese Baumarten aussterben oder es für die freiwerdenden Flächen keine Alternativen gebe, wie Kohnle anhand eines Diagrammes von 20 zukünftig einsetzbaren Baumarten verdeutlichte. „Für die nächsten 10 bis 20 Jahre können wir Praxisempfehlung machen, aber für die Zeit darüber hinaus müssen wir bereits heute mit den Anbauversuchen starten“, so der Forstwissenschaftler. Damit war auch der Kreis zur Politik wieder geschlossen. Schließlich kostet gute Forschung Geld. Hier konnten die beiden Bundestagsabgeordneten die gute Nachricht überbringen, dass das Konjunkturpaket der Bundesregierung zusätzlich 700 Millionen Euro für die nachhaltige Bewirtschaftung der Waldflächen, die Investition in moderne Betriebsmaschinen und eine Digitalisierungsoffensive enthält. Für die beiden Bundestagsabgeordneten ist nach dem Rundgang klar: „Wir müssen schon heute an den Wald von morgen denken. Dafür braucht es auch die entsprechenden Finanzmittel und entschlossenes Handeln.“